0170 – Warum das alles eine Überwindung des klassischen Marktes ist

Vor dem Zeitalter der Digitalisierung war in der westlichen Welt der klassische Industriekapitalismus die führende Wirtschaftsideologie. Im wesentlichen bestimmten einfache Prinzipien wie etwa Angebot und Nachfrage grundlegende Abläufe. Durch Personalisierung ist eine Erweiterung des im Grunde immer noch kapitalistischen Prinzips möglich – Shoshana Zuboff verwendet dafür den Begriff des Überwachungskapitalismus.

Der Überwachungskapitalismus ermöglicht ihre Meinung nach z.B. auf Basis von Datenanalysen Vorhersagen darüber zu machen, welche Dienstleistungen und Produkte mit hoher Wahrscheinlichkeit bald am Markt nachgefragt sind. Macht kumuliert sich dabei nicht mehr allein in staatlichen Institutionen, sondern zunehmend auch in digitalen Großkonzernen, weil Macht für Zuboff direkt mit der Menge der zur Verfügung stehenden Daten korreliert – darin sind z.B. Google, Amazon oder Microsoft staatlichen Institutionen schon jetzt überlegen und durch ihre globale Ausrichtung zudem schwierig durch gängige demokratische Instrumente (u.a. gesetzgeberische Regelungen) zu kontrollieren.

Damit sind bisher eingespielte Verfahren zur Regulierung des Marktes nicht mehr wirksam. Der Markt ist ein klassischer mehr, sondern ein durch digitale Möglichkeiten immens erweiterter. Zudem sind oftmals demokratische Meinungsbildungsprozesse schlicht zu langsam, um mit immer neuen technologischen Entwicklungen und damit verbundenen Fragestellungen mitzuhalten. Es braucht also neue Formen staatlicher Souveränität – und nicht zuletzt digital mündige Bürgerinnen und Bürger.

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