0180 – Fazit zur Entwicklung des Internets

Das Internet hat sich in seiner kurzen Geschichte im Vergleich zu anderen historischen Leitmedien rasant entwickelt. Sowohl diese schnelle Entwicklung als auch die unzähligen technologischen Fortschritte sind historisch betrachtet beispiellos. Wie bei jedem Leitmedienwechsel bedarf es neuer Kompetenzen sowohl auf Ebene der Institutionen als auch der Individuen, um den Übergang unter Wahrung der demokratischen Errungenschaften für die Gesellschaft positiv zu gestalten. Technologieeinsatz ist dafür notwendig, aber bei Weitem nicht hinreichend.

Im Zentrum vieler Herausforderung steht die Fragen nach digitalen Daten. Ihnen kommt je nach Kontext wichtige Bedeutung zu:

  • Daten als Rohstoff für Wachstum
  • Daten als Rohstoff für Gefahrenabwehr
  • Daten als Grundlage für neue Angriffs- und Kontrollszenarien
  • Aber auch: Daten als Grundlage für die individuelle Unterstützung und Analyse von Individuen zur Erleichterung und Verbesserung der Lebensumstände

Entscheidene Zukunftsfragen sind u.a.: Wie und von wem werden diese Daten zu welchem Zweck verwendet? Welche Rolle spielt der Staat dabei? Wie lassen sich global agierende Digitalkonzerne staatlich steuern?

Allerdings treffen diese Entwicklungen auf ein kulturelles System, welches mehrere Leitmedienwechsel mehr oder minder erfolgreich gemeistert hat. Die heutigen Menschen verfügen bereits über ein Vielzahl von Kompetenzen aus den historisch durchlebten Leitmedienwechseln, die die Voraussetzung zur Meisterung der nun anstehenden Aufgaben darstellen. Auch diese Stärke ist historisch gesehen wiederum – dieses Wort habe ich nun wahrlich überstrapaziert – beispiellos.

Unter der Perspektive eines Bildungsystems ergeben sich hieraus interessante Fragestellungen. Politik hat dabei eher das im wörtlichen Sinne Fassbare, nämlich den Geräteeinsatz im Blick. Auch der Digitalpakt trägt in Teilen noch diese Züge, indem er z.B. weiterhin interaktive Tafelsysteme – also konkrete Geräte – fördert.

0110 – Die Überwindung des klassischen Marktes oder die Phase der Personalisierung

Im Jahre 2007 kam das iPhone als technische Neuerung auf den Markt, die das Internet erneut revolutionieren sollte.

Hand, die ein iPhone hält

Bild von Jan Vašek auf Pixabay

Heute stellen wir Ihnen drei revolutionäre Produkte vor: Das erste ist ein Breitbild-iPod mit Touchscreen. Das zweite ist ein revolutionäres Mobiltelefon und das dritte ist ein neues, bahnbrechendes Internet-Kommunikationsgerät. Kapiert ihr es? Das sind nicht drei verschiedene Geräte. Das ist ein Gerät. Und wir nennen es: iPhone. Heute wird Apple das Telefon neu erfinden! (Steve Jobs, 2007)

Bisher erfolgte Internetzugriff meist über Laptops oder Desktop-PCs, also Geräte, die in der Regel zumindest im privaten Umfeld von mehreren Personen genutzt wurden. Das iPhone war das erste personalisierte Gerät, also ein Gerät, das genau einem Menschen zuzuordnen war.

Bei der Vorstellung im Jahre 2007 stand dieser Gedanke noch nicht so sehr im Vordergrund – vielmehr erlaubte das iPhone erstmals, das Internet ständig bei sich in der Hosentasche zu tragen und damit auch ständig onzu sein. Es schuf eine Verbindung zwischen der eigenen analogen Welt und dem globalen Netz. Man konnte jetzt überall Musik hören, Bilder aus seinem Leben auf einfache Weise mit Freunden z.B. auf Facebook zu teilen oder über Messenger kostenlos zu texten – der Niedergang der SMS war damit besiegelt. Alles war auf einmal nur einen Klick oder besser Wisch entfernt, Uploads konnten aus der Euphorie des Augenblicks heraus erfolgen.

Wir haben heute schon fast vergessen, dass man vor dem iPhone erst eine Digitalkamera an einen Rechner anschließen musste, um dann in einem sozialen Netzwerk Bilder hochladen zu können – ein aus heutiger Sicht unzumutbar umständlicher Weg, der aber auch durch den zeitlichen Abstand zur eigentlichen Handlung zumindest theoretisch Reflexionsprozesse ermöglichte: Think before you post! war schon 2007 eine gängige Floskel von Jugendschutzorganisationen, die an Aktualität bis heute nichts verloren hat.

Da das iPhone als Gerät bisher auf dem Markt beispiellos war, konnte wahrscheinlich selbst Steve Jobs bei Markteinführung nicht absehen, wohin sich diese wahrscheinlich ursprünglich auf Nutzungserfahrung optimierte Geräteklasse in der Folge entwickeln würde: Das Smartphone als Geräte ermöglichte erstmals die personenbezogene Erfassung von Nutzerdaten – sein Handy teilt man schließlich ebenso wie die eigene Unterhose nicht einmal mit dem (Ehe-)Partner.