0060 – Digitalität oder das Zeitalter der uneingeschränkten Vernetzung

Im Jahre 2009 rief Eric Whitacre – ein US-amerikanischer Komponist und Dirigent – den Virtual Choir ins Leben. Inspiriert durch eine musikalische Interpretation eines seiner Stücke durch Melody Myers – einer Youtuberin – entwickelte sich das Projekt in den nächsten Jahren zu ungeahnter Größe:

Bei diesen Projekt nehmen sich Menschen vor ihren heimischen Geräten beim Einsingen einer Chorstimme auf. Die Videos werden zentral eingesendet und zu einem großen Chor zusammengeschnitten. Bereits der erste Durchgang des Virtual-Choir-Projektes nahmen Sängerinnen und Sänger aus über 40 Nationen teil. Der Ursprungsimpuls kam aus dem Netz, die Organisation des Projektes erfolgte über das Netz, die spätere Distribution erfolgte über das Netz. Derartige Projekte sind ohne das Netz und seine ihm innewohnenden Vernetzungsmöglichkeiten undenkbar.

  • Um an einem solchen Projekt teilnehmen zu können, benötigen Menschen Fähigkeiten:
  • Sie müssen Laute produzieren (Singen) und sprechen können (Artikulieren)
  • Sie müssen lesen können (in diesem Fall eine Chorpartitur)
  • Sie müssen filtern können: Wer ist dieser Eric? Lohnt sich dieses Projekt für mich?
  • Sie müssen mit digitalen Geräten umgehen können.
  • Sie müssen auf Plattformen vernetzt sein, um von einem solchen Projekt zu erfahren.
  • usw.

Sie benötigen demnach alle Kulturtechniken, die für die Entwicklung von Gesellschaft bisher relevant waren – und noch einige mehr. Das Zeitalter der Digitalisierung ist das Zeitalter der Netzwerke.

Symbolische Darstellung der Netzwerkära

Symbolische Darstellung der Netzwerkära

Im Zeitalter der Digitalisierung interagieren nicht mehr nur die Institutionen untereinander, sondern erstmals auch Individuen in sogenannten sozialen Netzwerken. Während es in der Ära der Typografie aufwändig war, als Einzelstimme zu publizieren und gehört zu werden, ist das in sozialen Netzwerken zumindest technisch ganz einfach – aber nicht voraussetzunglos.

Prinzipiell kann jeder Mensch nicht nur konsumieren, sondern auch eigene Inhalte publizieren. Axel Bruns (Bruns, Axel (2009) Produtzung : Von medialer zu politischer Partizipation. In Bieber, Christoph, Eifert, Martin, Groß, Thomas, & Lamla, Jörn (Eds.) Soziale Netze in der digitalen Welt: Das Internet zwischen egalitärer Teilhabe und ökonomischer Macht. Campus Verlag, Frankfurt, pp. 65-86) prägte bereits 2009 dafür den Begriff des Produtzers.

Das klingt auf den ersten Blick nach unglaublichen Freiheiten und neuen Möglichkeiten. Greta Thunberg und die fridays4future-Bewegung nutzen soziale Netzwerke meisterlich, um ihre Inhalte zu setzen und damit politische Diskurse in ganzen Ländern zu bestimmen.

Spannend ist, wie diese neuen Möglichkeiten auf Kultur und Gesellschaft auswirken können und wie etablierte Mechanismen aus anderen Leitmedienzeitendabei ineinandergreifen.

Der YouTuber Rezo veröffentlichte Mitte Mai 2019 ein Video namens Die Zerstörung der CDU (Mittlerweile 16 Millionen Klicks), in dem er mit der Politik der Volksparteien abrechnete.

In der Folge ging ein politischer Ruck durch die Bundesrepublik Deutschland: Die Volksparteien CDU und SPD musste in Wahlen erdrutschartige Verluste hinnehmen. Markus Beckedahl schrieb über ein älteres Video Rezos:

Für ältere Semester ist der Präsentationsstil sicherlich gewöhnungsbedürftig, aber inhaltlich ist das richtig guter, bissiger, junger Journalismus mit Haltung. Auf den Punkt. Mit valider Medienkritik. Und Humor. Das macht Spaß – und ist überaus kritisch.

Auffällig ist das Wort Journalismus. Rezo ist ein sogenannter Influencer auf Youtube, kein gelernter Journalist. Im Zeitalter der Typografie funktionierte Journalismus anders: Inhalte wurden von Journalisten recherchiert, redaktionell gefiltert, um dann über Print- oder audiovisuelle Medien in die Öffentlichkeit gebracht zu werden. Rezo als Produtzer hat es ohne diese etablierte Struktur in die Öffentlichkeit geschafft und Konsequenzen ausgelöst, von denen viele etablierte Journalisten bisher nur träumen konnten. Spannend ist weiter, dass traditionelle Publikationsmedien wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk oder überregionale Zeitungen erheblich zur Popularität von Rezos Video beigetragen haben dürfen – allein durch die bloße Berichterstattung wurde auch Bevölkerungsteile erreicht, die weniger netzaffin sind.

Rezo und Greta Thunberg gelten in der Digitalszene als Lichtgestalten dafür, wie sich Machtverhältnisse durch die Möglichkeiten der Vernetzung verschieben können – wie hier z.B. Jugend eine Stimme erhält.

Diese emanzipatorische Kraft hat das Leitmedium Digitalität scheinbar in erheblich kürzerer Zeit erreicht als das Leitmedium Buch. Leider ist das nicht ganz so einfach und bringt auch Probleme mit sich. Eine gewichtiges Problem sehe ich darin, dass emanzipatorische Bestrebungen und Kontrollverlust von etablierten Institutionen historisch betrachtet nie einfach hingenommen wurden, die mit dem Internet jetzt eine Vielzahl neuer Instrumentarien zur Verfügung haben. Im nächsten Kapitel über die Geschichte des Internets werden Sie mehr darüber erfahren, welche Mechanismen das genau sind und nach welcher Logik sie funktionieren.

Das Überangebot an Informationen im Netz überfordert Individuen zunehmend. Das Netz bietet auch Kräften Raum, die destruktiv-bewahrend agieren – das zeigt z.B. die Sichtbarkeit und netzpolitische Arbeit der Rechtspopulisten weltweit beeindruckend. Durch die staatenübergreifenden Vernetzung, wird es komplexer, gesetzgeberisch einzugreifen und zu regulieren. Die normative Steuerung des Netzes liegt nicht mehr ausschließlich in staatlicher Hand.

Die Anforderungen, sich in dieser Welt der Digitalität souverän zu bewegen, halte ich für hoch. Einige dieser Fähigkeiten habe ich im Folgenden zusammengetragen:

  • gesellschaftlich-kulturelle Aspekte abstrahieren
  • vernetztes Denken und Handeln
  • eigene Filterstrategien weiterentwickeln und reflektieren
  • kritisches Denken auf unterschiedlichen Ebenen (technisch, sachlich, gesellschaftlich).
  • usw.

Nach jedem Leitmedienwechsel habe ich formuliert, was aus meiner Sicht an Kompetenzen zusätzlich mit dazukommt. Wenn man sich sich die Kompetenzen inhaltlich anschaut, ist dabei durch die Zeit ein erheblich höherer Anspruch und eine erheblich höhere Komplexität erkennbar.

 

0050 – Typografie oder das Zeitalter des Leitmediums Druck

Mit der Erfindung des Buchdrucks um 1440 durch Johann Gutenberg war es möglich, Text zu vervielfältigen. Vorher wurden Kopien von Texte aufwändig in z.B. klösterlichen Schreibstuben angefertigt, wobei auch grafische Gestaltungselemente eine große Rolle spielten. Das war in den Anfängen des Buchdrucks alles andere als trivial. Die Gutenbergbibel musste im Vergleich zu handschriftlichen klösterlichen Abschriften aus dem Mittelalter nahezu schmucklos-nüchtern auf die lesekundigen Zeitgenossen gewirkt haben. Farbige Magazine, wie sie heute als Wegwerfprodukte millionenfach produziert werden, waren lange Zeit undenkbar.

Diese einfache Beobachtung zeigt, dass hinter dem für uns heute selbstverständlichen typografischen Verfahren eine immense technologische Entwicklung steckt – vom einfachen Drucksatz mit Bleilettern über rein fotografische hin zu digitalen Belichtungsverfahren bei der Erstellung der eigentlichen Druckvorlage. Aber ein technologischer Blick auf den Buchdruck reicht nicht aus, um seine Bedeutung für z.B. die mitteleuropäische Kultur zu erfassen.

Was wir heute gerne außer Acht lassen, ist die Tatsache, dass es sich bei der Typografie um eine Technologie handelt, bei der es geraume Zeit gebraucht hat, bis sie z.B. emanzipatorische gesellschaftliche Entwicklungen beförderte. Man sieht das recht gut auf dieser Grafik, die die thematische Verteilung von Bücher auf dem Londoner Buchmarkt um 1700 darstellt – also immerhin 250 Jahre nach der Erfindung des Buchdrucks.

Thenatische Verteilung der Buchveröffebtlichungen in London um 1700 als Tortengrafik

Londoner Buchmarkt um 1700 – Lizenz CC-BY (Olaf Simons)

Der Londoner Buchmarkt wird zu einer guten Hälfte von Büchern zu Divinity (religiöse Schriften) bestimmt. Die Natur- und Geisteswissenschaften, die wir heute eng mit dem Buchdruck verknüpft sehen, spielten eine untergeordnete Rolle. Mit die allerersten Druckerzeugnisse waren Ablassbriefe:

Ablassbriefe waren einseitig mit einem formelhaften Text in der Donat-Kalender-Type bedruckt, und die ersten Auflagen erschienen auf Pergament. Nach dem Kauf musste der Gläubige nur noch seinen Namen in das vorgesehene Feld eintragen und ihn bei der nächsten Beichte abgeben. Daraufhin wurden ihm Sündenstrafen erlassen. Die durch den Buchdruck geschaffene Vervielfältigungsmöglichkeit ermöglichte eine hohe Auflage und weite Verbreitung. Ein bis heute erhaltenes Exemplar ist durch eine handschriftliche Notiz auf den 22. Oktober 1454, ein weiteres auf den 26. Januar 1455 datiert.

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Gutenberg#Ablassbriefe_(1454/1455)

Die Kirche als Institution bestimmte lange maßgeblich, was in welchem Umfang veröffentlicht wurde – quasi ein historisches Google mit immenser Marktdurchdringung. Stück für Stück entdeckten aber auch staatliche Institutionen die Möglichkeiten der neuen Technik.

Der mehr oder minder flächendeckende Einsatz des Buches im Bildungswesen kommt mit der allgemeinen Schulpflicht im 17. Jahrhundert. Das in diesem Kontext oft zitierte Preußen führte 1717 eine allgemeine Unterrichts- jedoch keine Schulpflicht ein, was bis zum Jahr 1918 auch so bleiben sollte (Hans-Georg Herrlitz, Wulf Hopf, Hartmut Titze, Ernst Cloer: Die Deutsche Schulgeschichte von 1800 bis zur Gegenwart. 5. aktualisierte Auflage. Juventa, Weinheim und München 2009). Das Interesse absolutistischer Herrscher der damaligen Zeit an einer schulisch gebildeten Bevölkerung dürfte sich eher mit Blick auf die erstarkenden Institutionen (u.a. Verwaltung, Militär) entwickelt haben – auch hier ging es zunächst weniger um das freie Individuum, als um die Ausbildung staatlicher und militärischer Funktionsträger. Der Bedarf an derartigen Arbeitskräften konnte nicht allein durch den Adelsstand gedeckt werden. Gleichwohl sollte sich historisch daraus das später erstarkende Bürgertum entwickeln. Ohne die Technologie Druck wären diese Vorgänge zumindest erheblich erschwert gewesen.

Es lässt sich aber jetzt schon etwas Wichtiges zeigen: Typografie als neues Leitmedium nützt zunächst eher den etablierten Institutionen wie der Kirche oder dem Staat. Sie verfügen über die Systeme, um zunächst Inhalte und deren Verbreitung zu kontrollieren. Emanzipatorische Entwicklungen brauchen noch Zeit, aber sie geschehen.

Typografie war Voraussetzung für noch eine weitere Entwicklung, die das Internet im Laufe seiner Geschichte immer mehr bestimmt hat, wie Sie im nächsten Teil dieses Buches noch ausführlicher sehen werden. Mit der Typografie erstarken die Märkte. Dabei sind keinesfalls die auch schon im Mittelalter bestehenden Verkaufsmärkte in Städten gemeint, sondern das, was wir heute meinen, wenn wir z.B. von freien Märkten sprechen.

Symbolische Darstellung der Verbindung von Typografie und Märkten

Symbolische Darstellung der Verbindung von Typografie und Märkten

Verschiedene Institutionen interagieren in Märkten miteinander: Um z.B. das europäische Kolonialsystem aufzubauen, bedurfte es u.a. Staaten, Banken, Börsen, wirtschaftliche Gesellschaften u.v.m.. Damit untereinander Informationen schnell ausgetauscht werden konnten, war die Typografie als ökonomisches Instrument dafür unverzichtbar. Stellen Sie sich eine Zeitung mit tagesaktuellen Aktienkursen ohne Drucktechnik vor, Genehmigungsvorgänge ohne gedruckte Formulare oder natürlich auch die Verbreitung von Wissen und Kultur ohne gedruckte Bücher! Vieles wäre auch allein auf skriptologischer Technologie denkbar – wie nicht nur das römische Reich historisch zeigt. Aber die Effizienz und Geschwindigkeit ist dabei eine andere. Mit dem Druck skalieren Prozesse auf einmal: Sie konnten Schulbücher in weit entfernte Kolonien exportieren, es war möglich, tagesaktuelle Nachrichten an viel mehr Menschen als je zuvor zu verteilen – alles unbedingte Voraussetzungen für funktionierende Märkte – und letztlich auch den Kapitalismus als bald marktbeherrschende Funktionslogik dahinter.

Es wäre aber mehr als verkürzt, den Druck allein als Wegbereiter des Kapitalismus zu begreifen. Durch und mit ihm entwickelten im mitteleuropäischen Raum z.B. Literatur und Musik zu einer vorher nie denkbaren Blüte. Zunehmend dominierten ab 1700 weltliche Inhalte den europäischen Buchmarkt. Bis heute haben z.B. die Werke von Schiller und Goethe im schulischen Literaturkanon einen festen, kaum wegdenkbaren Platz. Warum welcher Autor jedoch zu Bekanntheit gelangte, war schwer vorhersehbar und hing nicht selten von Zufällen ab. Dass der Buchdruck für die Verbreitung eine gewichtige Rolle spielte, scheint hingegen sicher.

Die Typografie als neue Kulturtechnik verlangte im Gegensatz zur Skriptografie nach nochmals erweiterten Fähigkeiten.

  • Die Fähigkeit externe Gedankenmuster in eigene Gedankenstrukturen zu übertragen
  • Die Bewertung von Texten auf unterschiedlichen Ebenen (z.B. sachlich, ästhetisch, im Hinblick auf die Herkunft)
  • Die Entwicklung erster Filterstrategien für z.B. unzuverlässige Informationen (z.B. in pietistischer Erweckungsliteratur)

0040 – Skriptografie oder das Zeitalter des Leitmediums Schrift

Sprache als Leitmedium hat ihre Grenze. Spätestens, wenn komplexere kulturelle Vorgänge anstehen, ist sie als einziger Eröffner eines Kommunikationsraumes zu eingeschränkt, etwa wenn Bauwerke wie die ägyptischen Pyramiden zu erstellen sind.

Die Pyramiden von Gizeh als Beispiel eines komplexen Bauswerks

Bild von Pete Linforth auf Pixabay

Der Bau dieser Pyramiden stellte die antiken Architekten logistisch vor gewaltige Probleme. Man ist sich in der Forschung bis heute nicht sicher, wie die jeweiligen Einzelprobleme angegangen wurden – fest steht jedoch, dass ohne Baupläne, Mengen- und Größenangaben, Personalplanung usw. der Bau solcher Monumente nicht möglich gewesen wäre. Es bedurfte der Schrift als neuem Leitmedium, um diesen Herausforderungen Herr zu werden. Das dürfte auch für eine Menge anderer antiker Monumente so gültig sein. Sprache war nach wir vor wichtig, z.B. zur Verständigung auf dem Bau oder während der Planungen, aber sie dürfte allenfalls notwendige, aber nicht mehr hinreichende Bedingung zum Gelingen großer Bauvorhaben gewesen sein.

Die Schrift schuf auch die Voraussetzung für jede Art von Institutionen: Verschriftlichtes Recht in Form von Gesetzen sowie die Weitergabe von Befehlen, Regelungen und Informationen über große Entfernungen hinweg waren Grundpfeiler des aufkommenden Staatswesens. Unter dem Einfluss der römischen Hochkultur verschwanden vorerst viele Stammesgesellschaften in Zentraleuropa, indem sie Stück für Stück in die Kultur der Invasoren integriert oder besiegt wurden.

Symbolische Darstellung der Schriftkultur

Ob man schreiben und lesen konnte oder nicht, hatte im alten Ägypten unmittelbare Auswirkungen auf den Lebensstandard. Diese Fähigkeit entschied über die Karriere in den Institutionen oder einem Leben als Arbeiter oder Bauer.

Um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie der ägyptische Staat auch durch das Leitmedium Schrift organisiert werden konnte, mag dieses Zitat dienen:

Mit dem Alten Reich wurde die Verwaltung komplexer. Direkt unter dem Pharao stand nun der Wesir. Er hatte die Aufsicht über die Exekutive (Ausführende Gewalt im Staat, wie zum Beispiel Verwaltung) im Land. Sein Amt ist mit dem des heutigen Premierministers zu vergleichen. Da der Wesir die Exekutive im Land beaufsichtigte, musste er die innerägyptische Verwaltung kontrollieren und koordinieren, juristische Aufgaben wahrnehmen und für Recht und Gerechtigkeit im Staat sorgen. Legislative Funktionen (Gesetzgebung) hatte er nicht, da dies alleiniges Vorrecht des Königs war. Ihm unterstand die Landesverwaltung und deren nachgeordnete Ämter auf lokaler und regionaler Ebene. Alle Archive, die Land und Leute erfassten, unterstanden allein ihm. Für den Inhalt dieser Archive war er verantwortlich.

 

 

Bei Wikipedia: Die Verwaltung im alten Ägypten

Durch die institutionelle Organisation des Staates werden Strukturen komplexer und der Grundstein für das Prinzip der geteilten Zuständigkeiten – jeder im heutigen Schulsystem kann ein Lied davon singen – ist damit gelegt. Schrift als Grundlage ist hier nicht nur Technologie, sondern hilft auch bei der Formung eines sich neu konstituierenden Kommunikationsraumes.

Wenn man als Individuum sein Leben in diesem Staat mit größtmöglicher Wahlfreiheit gestalten wollte, musst man sprechen, lesen und schreiben können. Für das Erlernen von Schrift gab es neue Voraussetzungen:

  • Man musste motorische Übungen mit Werkzeugen machen
  • Man musste eine (kulturell geprägte) systematische Einweisung erhalten
  • Man musste kulturell privilegiert oder kulturell verpflichtet sein.

Die Voraussetzung kamen zu den Fähigkeiten aus der Leitkultur der Sprache mit hinzu. Die Sprache selbst blieb, war aber nicht mehr gesellschaftskonstituierend.

Dass Sprache nicht allen Menschen in der Gesellschaft in gleicher Weise „nützte“ hatte viel mit dem gesellschaftlich vorherrschenden System zu tun. Wie hätte die Schrift zum Beispiel in einem demokratischen alten Ägypten gewirkt?

Vielleicht an dieser Stelle einer kleiner Vorgriff: Wie sähe das Internet heute aus, wenn die bestimmenden Kräfte nicht auf Basis eines kapitalistischen Wirtschaftssystems agierten?